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Samstag, 2. März 2013

Goodbye Easy Riders


Mit schönstem Wetter starteten wir in unseren vierten und letzten Tag mit den Easy Ridern. Heute ging es Richtung Küste nach Nah Trang, wo wir am Abend den Nachtbus nach Hoi An erwischen wollten. An einem kleinen Steinbruch machten wir den ersten Halt und sahen zu, wie die Arbeiter mit Hammer und Meißel kleine Granitblöcke aus dem Felsen herausbrachen. Die Leute wussten genau, wo sie anzusetzen hatten um den Stein in die richtige Form und Größe zu bringen. Wir hätten zu gerne ein paar (ca. Stück brauchen wir) für unseren Garten mitgenommen, weil ein Block hier gerade mal 6000 Dong kostet ( Euro).
Später kamen wir an Wassermelonen- und Tabakplantagen vorbei und sahen uns das aus der Nähe an. Zwischendurch streikte auch mal Thanh's Maschine und es war nicht der leere Tank (wie tags zuvor bei Andreas' Fahrer); es wurden Zündkerzen gewechselt, das half nix, aber mit ein bisschen Anschieben lief sie wieder.
In Vietnam sieht man häufig kleine Friedhöfe in der Landschaft. Diese sind meist farbenfroh gestaltet und an einem erklärte unser Fahrer, wie die Beerdigungszeremonien ablaufen und welche Bedeutung die verschiedenen Steine, Symbole und Opfergaben haben.
Nur wenige Kilometer weiter stoppten wir an einer der vielen Pfefferplantagen bevor wir ein H'Ko Dorf besuchten. Wieder durften wir eine Familie in ihrem Haus besuchen und etwas Reiskuchen probieren. Da gerade Vollmondfest war, trugen vor allem die Frauen bunte und prächtige Kleidung. Die Männer vergnügten sich bei einem beliebten Spiel, das wie eine Mischung aus Kreisel und Boccia aussah.
Nach dem Mittagessen machten wir Halt an einer Zuckerrohrplantage. Hier gab es zum Nachtisch das süße Zuckerrohr, frisch vom Feld.
Nach fast vier Tagen kehrten wir jetzt wieder auf eine Hauptstrasse zurück und erreichten am Nachmittag Nah Trang. Wir konnten unsere Rucksäcke in einem Hotel unterstellen, das einem Freund von Thanh gehörte. Dann noch kurz zum Abendessen und weiter ging's in den Nachbus nach Hoi An.
Unsere Tour endete nach vier wunderschönen Tagen, in denen wir sehr viel gesehen und gelernt haben. Weit weg von den touristischen Pfaden sahen wir Dinge, die man bei den üblichen Touren nicht mitbekommt. Unsere Fahrer konnten uns „ihr Vietnam“ zeigen und wir können allen nur empfehlen, eine solche Tour zu machen. Die Tour war preislich gesehen kein Schnäppchen und wir haben auch lange überlegt und hin- und her gerechnet, aber uns war es in Rückblick jeden Cent wert.

Beliebtes Spiel

Festtagskleidung

Andrea und Thanh

Andreas und Quang

Mitten in Vietnam


Am Morgen ging unser erster Blick Richtung Himmel und wir hofften auf besseres Wetter. Bevor es los ging, gab es aber zum Frühstück noch eine typische Nudelsuppe mit Hühnchen – sehr lecker! In der Zeit kam auch die Sonne endlich durch die Wolken.
Als erstes hielten wir heute an einer Gummibaumplantage. Ein kleiner Schnitt mit dem Messer und das weisse Rohmaterial für den Gummi lief den Baum herunter. Unser Fahrer erzählte wieder ein bisschen etwas zur Verarbeitung und dass es für den Farmer ein ganz gutes Geschäft ist.
Danach sahen wir bei einer Familie im Hof, wie die Kaffeebohnen von ihrer Schale getrennt wurden und anschliessend fuhren wir weiter zu einem kleinen Nationalpark. Nach einem Spaziergang zu wirklich schönen Wasserfällen wären wir am liebsten in das blau schimmernde Wasser gesprungen. Später konnten wir an einem Fluss die Fischer beobachten, die hier ihrer Arbeit nachgingen. Die Landschaft wurde mittlerweile wieder etwas flacher und wir fuhren an riesigen Reisfeldern vorbei. Andreas war ganz glücklich, weil er auf das gewartet hatte, seit wir in Vietnam angekommen waren! Wir hielten an, um uns die Reispflanze mal etwas genauer anzusehen und Thanh erklärte uns, wie der Reis angebaut wird und erzählte uns die Geschichte, warum Reisanbau so schwere Arbeit ist (in kurz, weil die Frau das Haus nicht geputzt hatte und so den Reisgott verärgert hat – naja...). Vietnam gehört mit zu den größten Reislieferanten der Welt und viele Bauern haben keine Maschine zu Ernte und müssen alles per Hand machen.
Bei einem Bekannten unseres Fahrers machten wir eine kleine Rast und es gab leckeren Tee. Neben einer Kaffeeplantage besaß unser Gastgeber auch eine Kakaoplantage, wo wir natürlich in die Herstellung der Kakaobohnen eingeführt wurden.
Auf dem weiteren Weg kamen wir an ganz kleinen flachen Seen vorbei (See ist eigentlich schon übertrieben). Hier sammelten Kinder und Jugendliche Fische, Muscheln und Schnecken – eine sehr schlammige Angelegenheit. Mit einer kleinen Fähre setzten wir über einen Fluss bevor wir zu einem M'Nong Dorf kamen. Es wurde gerade eine Hochzeit für den nächsten Tag vorbereitet und wir durften miterleben, wie ein Schwein für das Fest geschlachtet wurde. Später besuchten wir die wohl berühmteste Frau in diesem Dorf. Sie ist 105 Jahre alt und ihr verstorbener Mann war einer der besten Jäger und ging sogar mit dem König auf Jagd. Am Abend erreichten wir dann unser Hotel am Lak Lake und da es unser letzter gemeinsamer Abend mit den Easy Ridern war, gab es ordentlich „Happy Water“ (Reisschnaps) zu trinken.
Der dritte Tag mit den Easy Ridern war das Highlight unserer Tour. Die Landschaft war unglaublich und wir hatten das Gefühl, Vietnam fernab vom Tourismus kennenzulernen. Das Wetter spielte mit und wir kamen viel in Kontakt mit Einheimischen.
Jetzt lag noch ein Tag auf dem Motorrad vor uns...

Im Nationalpark

Auf der Jagd nach Fischen, Schnecken und Muscheln

Fähre für unsere Motorräder

Zu Besuch im M'Nong Dorf


Mittwoch, 27. Februar 2013

Und dann kam der Regen


Der zweite Tag mit den Easy Ridern startete sehr sonnig (der Tag zuvor war etwas wolkig) und zum Frühstück gab es typische Reispapier-Rollen (ähnlich Frühlingsrollen) mit Gemüse und Schinken zu essen.
Danach ging es zu einer Teeplantage, um das auf dem Feld zu sehen, was wir tags zuvor in der Fabrik gesehen hatten. Beim nächsten Stopp folgten wir einem kleinen Pfad in den Dschungel. Wir konnten uns überzeugen, dass der ziemlich dicht sein kann und voll verschiedenster Pflanzen und großer Bäume. Ein Stück weiter zeigte uns Thanh wieder eine Frucht, die wir (zumindest so) nicht kannten. Es handelte sich um die Cashewnuss und wir bekamen eine kurze Einführung, wie die weitere Herstellung abläuft.
Später fuhren wir an einem Staudamm vorbei und Thanh ereiferte sich, uns die Nachteile der vietnamesischen Energiepolitik nahe zu bringen. Momentan wird in Vietnam auf Wasserkraft gesetzt. Dabei wird dem Dschungel sehr viel Lebensraum genommen, Flusslandschaften trocknen aus und in der Regenzeit wird so kurzfristig überflutet, dass sich nicht alle Menschen rechtzeitig in Sicherheit bringen können.
An einer nächsten Plantage konnten wir uns von dem leckeren Geschmack der Passions Frucht überzeugen, bevor es zu Mittag wieder ein landestypisches Essen gab: Hot Pot mit einem besonderen Fisch. Es wird ein Topf mit Suppe auf einen Gasbrenner in die Mitte des Tisches gestellt und dann werden frische Zutaten (auch der Fisch) zubereitet. Es war richtig lecker!
Auf dem Weg zu einem Dorf der H'Mong konnten wir sehen, wie ein Schlangenjäger gerade eine Cobra gefangen hatte. Wir waren ganz froh, dass sie nicht uns über den Weg gelaufen ist. Die MinderheitS der H'Mong kommt ursprünglich aus dem Norden Vietnams und hat sich hier im zentralen Hochland niedergelassen. Wir besuchten eine Familie in ihrem einfachen Haus. Die H'Mong führen hier ein sehr einfaches Leben und ernähren sich von dem, was sie selbst anbauen. Auf der Fahrt konnten wir immer wieder die atemberaubende Landschaft geniessen. Langsam wurde es jedoch richtig stürmisch und das Motorradfahren wurde etwas unangenehmer. Seit 66 Tagen hatten wir keinen Regen und immer sehr schönes Wetter. Es kam wie es kommen musste und die Wolken zogen immer mehr zu. Bevor es richtig anfing zu regnen, konnten wir noch schnell in Regenkleidung schlüpfen. Unser Gepäck war sowieso schon wasserdicht eingepackt und dann ging es richtig los. Das letzte Stück auf dem ehemaligen Ho Chi Minh Pfad bis zu unserem Hotel war dann richtig verregnet. Der Ho Chi Minh Pfad, der im Vietnamkrieg als Transportweg diente, wurde später zu größeren Strassen ausgebaut und ist auch heute noch eine wichtige Verkehrsader durch das Hochland. Wir schossen nur ganz kurz ein Foto der Gedenktafel, die an der Stelle steht, wo sich damals die Nord- und Südtruppen getroffen hatten. Dann kamen wir endlich im Hotel an und waren froh, in trockene Sachen zu schlüpfen. Thanh gab uns noch eine kurze Geschichtsstunde zu den drei Ho Chi Minh Pfaden und führte uns danach zu den Reiswein-Kuriositäten des Hotelbesitzers. Wir hatten ja schon eingelegte Kräuter, Geckos und Schlangen gesehen, aber hier standen auch Flaschen mit Bienen, Vögeln und sogar Primaten (zumindest Teile davon).
Beim Abendessen verfolgten wir gebannt im Fernsehen den Wetterbericht. Dieser versprach für die kommenden Tage besseres Wetter (und er sollte Recht behalten).  

Zu Gast bei den H'Mong

Hot Pot

In Regenkleidung vor einer Ho Chi Minh Pfad Gedenktafel

In Reiswein eingelegte Primaten

Dienstag, 26. Februar 2013

Dalat Easy Rider Club

Nach unserem kurzen Strandaufenthalt ging es jetzt mit dem Bus ins zentrale Hochland auf ungefähr 1500 Meter nach Dalat. Wir recherchierten, was man hier am besten anstellen kann und haben immer wieder von den Easy Riders gelesen. Alle lobten diesen Motorrad Club für dessen sensationelle Touren über das ganze Land.
Wir standen der Sache anfangs eher skeptisch gegenüber, da wir nicht unbedingt bei jemandem auf dem Motorrad durch die Gegend fahren wollten. Trotzdem waren wir irgendwie neugierig und schon bei der Ankunft sprach uns jemand von dem Club an. Mittlerweile neugierig genug liessen wir uns von zwei Easy Ridern inklusive Gepäck zum Hotel bringen – eine kostenlose Probefahrt sozusagen.
Am Nachmittag besuchten wir den Easy Rider Club und - um es kurz zu machen - wir buchten eine Viertagestour durch das Hochland von Dalat nach Nah Trang.
Tags darauf gegen acht Uhr begrüßten wir unsere beiden Easy Rider, die sogleich unsere Rucksäcke auf ihren Motorrädern befestigten. Dann ging es auch schon los und der erste Tag hatte es in sich. Wir besuchten den größten Tempel von Dalat und bekamen eine kurze Einführung in die religiöse Geschichte von Vietnam. Anschließend fuhren wir zu Blumenplantagen mit riesigen Gewächshäusern und weiter ging's zu Kaffeeplantagen, wo wir alles über den Anbau und die Herstellung von Kaffee erfuhren. Kurz darauf stoppten wir an einer kleinen Wieselfarm, wo der berühmte Wieselkaffee produziert wird. Hier fressen die Wiesel die Kaffeebohnen und einige Stunden später kommt der Kaffee auf natürlichem Wege wieder zum Vorschein. Dieser ist dann sozusagen veredelt und soll ganz besonders sein. Wir probierten natürlich ein Tässchen – naja, er war ok, aber wir sind uns nicht sicher, ob man dafür mehr Geld ausgeben muss. Da hier auch Reisschnaps gebrannt wurde („Happy Water“), gab es natürlich auch davon eine Kostprobe.
Weiter ging es zu einer Familie, die Seidenraupen züchtete, sowie zu einer Seidenfabrik und so sahen wie den Prozess von der Seidenraupe bis zum Seidentuch. Wir konnten sogar eine Raupe probieren, die auf einem Heisswasserrohr „gekocht“ wurde. Nachdem wir einen kurzen Spaziergang zu den Elefantenwasserfällen unternommen hatten, gab es typisch vietnamesisches Essen (Reis und viele kleine Teller mit Gemüse, Fleisch und Fisch). Frisch gestärkt fuhren wir zu einem K'Ho Dorf und durften einen Blick in die Schule werfen, in der gerade der Nachmittagsunterricht anfing. Beim nächsten Halt konnten wir Schreiner bewundern, die aus Baumwurzeln wahre Kunstwerke schnitzten und später lernten wir, wie Reisnudeln hergestellt werden. Zum Schluss besuchten wir noch eine Teefabrik. Im Örtchen Bao Loc verbrachten wir die erste Nacht und der Tag endete mit einen gemeinsamen Abendessen.
Schon der erste Tag war sensationell. Wir fühlten uns mit unseren Fahrern auf den Motorrädern sehr sicher und Thanh, Andrea's Fahrer, hat uns den ganzen Tag sehr viel erklärt und gezeigt. Schon am Mittag hatten wir die Hauptstrasse verlassen und weit und breit waren wir die einzigen Touristen. Das schöne war auch, das Thanh fast alle Stopps spontan ausgewählt hat und einfach freundlich bei den Familien gefragt hat, ob er mit uns auf's Feld gehen darf, um uns z.B. die Kaffeeherstellung zu erklären. Ein paarmal konnten wir dabei auch einen Blick in das Haus der Familien werfen. Jetzt waren wir auf den nächsten Tag gespannt...

Andreas mit einem buddhist. Einhorn

Herstellung von Seide

Schule in einem K-Ho Dorf

Abendessen mit unseren Fahrern